Die österreichische Stiftungslokomotive

Die gemeinnützige Stiftung in Österreich, die mit 1.1.2016 eingeführt werden soll, wird auf fruchtbaren Boden fallen. Schon heute ist der „Verband für gemeinnütziges Stiften Wien“ - unter der Führung von Präsident Dr. Harald Katzmair - eine erfolgreiche Initiative zur Interessenvertretung gemeinnütziger Stifter. Im Rahmen des Schweizer Stiftungstages in Zürich am 5.11.2015 zeigten sich die Vertreter der alteingesessenen Stiftungs- und NPO-Interessenvertretungen der Schweiz und Deutschland beeindruckt über die enorme Anzahl an vertretenen Organisationen in dieser relativ jungen österreichischen Initiative.

Auch wenn es für Österreich noch ein weiter Weg zu den 120 Mrd. EUR Kapital und 2,5 Mrd. an gemeinnützigen Ausschüttungen, die die Mitglieder des Bundesverbandes Deutscher Stiftungen aufbringen, sein wird, zeigt sich doch, dass man sich mit der Einführung der gemeinnützigen österreichischen Stiftung auf eine kompetente Bündelung von Sozialinitiative und wahrscheinlich auch auf eine transparentere Finanzierung von Projekten einstellen kann.

Insbesondere aufgrund der momentanen Zinssituation stellt sich allerdings die Frage, ob dabei die klassische Kapitalerhaltungsfunktion der Stiftung weiterhin im Vordergrund stehen muss, oder ob nicht die sogenannten amerikanische Stiftung oder auch Verbrauchsstiftung zur nachhaltigen Finanzierung von Sozialprojekten herangezogen werden sollte. Prof. Dr. Göring, Vorsitzender des Bundesverbandes Deutscher Stiftung und der ZEIT-Stiftung, meinte dazu, dass bei einem klugen Anlageverhalten in der Regel auch fixe Ausschüttungsraten von 5% des Kapitals einer Stiftung pro Jahr im Endeffekt nicht zu einem tatsächlichen Verbrauch des Stiftungskapitals führen, da im langjährigen Vergleich auch weit darüber liegende Renditen erzielt werden können.

Dass dieses „kluge Anlageverhalten“ einen wesentlichen Aktienanteil in der Veranlagung notwendig macht, um eben solche Renditen zu erzielen versteht sich dabei von selbst und lässt – da von einem Mann propagiert, der immerhin über die Veranlagung von EUR 980 Mio als Vorsitzender der ZEIT-Stiftung mitzuentscheiden hat - auch auf eine gewissen Vorbildwirkung in Österreich hoffen.