GOVERNANCE und COMPLIANCE - von katholischen Orden lernen

Katholische Orden sind mit einer Vielzahl von internen und externen Regelungen konfrontiert. Neben den allgemeinen kirchenrechtlichen Vorgaben und den spezifischen ordensinternen Regelungen, wirken auch die nationalen Normen auf die Gemeinschaften und ihre wirtschaftlichen Betriebe. Im neuen Buch Die vatikanischen Vorgaben zur Vermögensverwaltung der katholischen Orden in der Praxis (facultas, 2017) geben van Oers, Krause und ich ein Beispiel, wie man internationale Governance Vorgaben in diesem rechtlich komplexen Umfeld konkret umsetzen kann.

Der Vergleich von Corporate Governance und der Governance religiöser Gemeinschaften ist immer ein Balance-Akt. Einerseits gelten für die jeweiligen Gemeinschaften göttliche Vorgaben, die sich dem irdischen Diskurs entziehen, andererseits sind aber religiöse Gemeinschaften auch Zusammenschlüsse verschiedener Menschen, die einem Zweck folgen und notwendigerweise mit irdischen Problemen befasst sind, um diesen Zweck erreichen zu können. Die klassischen Führungsthemen – also Organisation, Strategie und Governance - haben damit nirgends größere Tradition als in den katholischen Orden. Seit Jahrhunderten müssen sich sowohl die Gemeinschaften selbst als auch die wirtschaftlichen Betriebe (Schulen, Heime, Krankenhäuser aber auch Tourismus- und Landwirtschaftsbetriebe) damit befassen.

Bereits im Rahmen der Erstellung des Governance Kodex für die Ordensgemeinschaften Österreich, der im Buch ebenfalls abgedruckt ist, hat die KU Unternehmensberatung GmbH (www.ku.co.at) aus wichtigen Ordensstatuten und Regeln folgende - auch für Familienunternehmen wichtige - Governance Grundsätze abgeleitet:

1.       „Wer schreibt der bleibt.“
Schriftlichkeit ist die Basis von Vererbbarkeit; nur eine Regelung oder ein Gedanke, den man niederschreiben kann, kann man für gewöhnlich auch an stakeholder und kommende Unternehmergenerationen vermitteln.

2.       „Transparenz, zumindest nach innen.“
Allen stakeholdern müssen Rechte, Pflichten und Regeln bekannt sein.

3.       „Klare Organisationsstrukturen vermeiden Kommunikationsprobleme.“
Es sollte wenige Organe mit klaren Zuständigkeiten geben.

4.       „Funktionalität geht vor Wissenschaftlichkeit.“
Die Wiederholung wichtiger rechtlicher Grundsätze, die für die Organisation von Belang sind, macht auch im Katalog der internen Regelungen Sinn. Eine einfache Sprache ist zentral.

5.       „Stakeholder einbeziehen.“
Alle von der Organisation beeinflussten also insbesondere auch Novizen oder in Unternehmen Dienstnehmer – sollten bei der Governance mitberücksichtigt werden. Es geht nicht nur um das Verhältnis von Eigentümer und Management.

6.       „Vertrauen schließt Kontrolle nicht aus.“
Die Einhaltung von Regeln muss überwacht werden und die Nichtbefolgung muss zu Konsequenzen führen. Compliance Prozesse sind notwendiger Bestandteil jeder Governance Überlegung.

7.       „Visionäre sind oft keine Juristen.“
Der Gründer der Organisation muss nicht gleichzeitig auch die besten Regeln für das Fortbestehen aufstellen können, hierfür gibt es Spezialisten.

8.       „Beständigkeit durch Veränderung.“
Auch wenn die Vision oder Mission einer Organisation über Jahrhunderte unverändert ist, müssen die konkreten Regelungen immer wieder an die Lebensrealität angepasst werden.

Wenn auch Sie Interesse an dieser Thematik haben, dann treten Sie mit uns in Kontakt und teilen Sie uns Ihre Meinung mit www.ku.co.at/blog oder office@ku.co.at.

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